{"id":505,"date":"2019-10-09T14:23:32","date_gmt":"2019-10-09T12:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/jenecon.alkaid.uberspace.de\/wordpress\/?p=505"},"modified":"2020-02-21T13:33:02","modified_gmt":"2020-02-21T12:33:02","slug":"die-rede-von-der-guten-balance-zwischen-oekonomie-und-oekologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jenecon.uber.space\/wordpress\/?p=505","title":{"rendered":"Die Rede von der \u201cguten Balance zwischen \u00d6konomie und \u00d6kologie\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\nDiese Sentenz findet sich h\u00e4ufig in der politischen Debatte. Sie\nsoll Ausgewogenheit, Realismus und Kompromissbereitschaft\nsignalisieren. Man nimmt \u00f6kologische Ziele durchaus sehr ernst,\nsieht aber auch \u00f6konomische Realit\u00e4ten und versucht eine\nvern\u00fcnftige Abw\u00e4gung, da man ja auch an Dinge wie\nWettbewerbsf\u00e4higkeit, Jobs, soziale Ausgewogenheit und dergleichen\ndenken m\u00fcsse. Schlie\u00dflich m\u00fcsse ja alles, was man \u201cf\u00fcr die\nUmwelt\u201d tue, ja auch \u201cfinanziert\u201d werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich wundert, dass solche Sichtweisen als Ausweis wirtschaftlicher Vernunft gelten, denn sie beruht auf einer Konfusion von Ziel und Mittel (Restriktionen) und infolgedessen einem Fehlverst\u00e4ndnis von G\u00fcterabw\u00e4gung und Effizienz. Die Umwelt ist nicht Ziel, sondern Mittel. Wirtschaftliche Prozesse welcher Art auch immer k\u00f6nnen auf Dauer nur stattfinden, wenn sie \u00f6kologische Restriktionen respektieren. Eine zeitlang kann man diese Restriktionen \u00fcberschreiten, also mehr Ressourcen extrahieren oder die Umwelt als Senke f\u00fcr Emissionen aller Art verwenden als nachhaltig ist, aber eben nicht auf Dauer. Hinsichtlich des Klimas wird \u00fcberdeutlich, dass das Ende der tolerierbaren \u00dcberschreitung \u00f6kologischer Restriktionen gekommen ist. Klima- und Umweltschutz sollten deshalb gerade nicht als Ziel unter mehreren anderen Zielen angesehen werden, sondern als Bestrebung, wirtschaftliche (und andere) Ziele innerhalb und nicht au\u00dferhalb der \u00f6kologischen Restriktionen zu erreichen. Letztere k\u00f6nnen wir uns nicht aussuchen. Wenn beim Einkaufen im Supermarkt an der Kasse das Geld nicht ganz reicht, wird man sich auch nicht damit rausreden k\u00f6nnen, der\/die Kassierer\/in m\u00fcsse doch einsehen, dass man eine \u201causgewogene Balance\u201d zwischen seinen Konsumw\u00fcnschen und dem (nicht) vorhandenen Geld im Portemonnaie anstrebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist deshalb\nlogisch-konzeptionell schwer nachvollziehbar, was denn ein\n\u201cKompromiss\u201d zwischen \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Zielen,\noder ein \u201cAusgleich von \u00d6konomie und \u00d6kologie\u201d sein soll. Es\nist eine wohlklingende Phrase, von der ich mir w\u00fcnsche, dass sie ihr\nZiel, \u00f6konomische Kompetenz zu signalisieren, verfehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange die Menschen wirtschaftliche Ziele schon seit vielen Jahrzehnten auf eine Art und Weise erreichen, die \u00f6kologisch nicht nachhaltig ist, sie also quasi \u00f6kologisch \u201cauf Kredit\u201d wirtschaften, ist das Jammern \u00fcber die hohen \u201cKosten des Umwelt- und Klimaschutzes\u201d unverst\u00e4ndlich. Die enormen akkumulierten externen Kosten der Vergangenheit plus die abdiskontierten zuk\u00fcnftigen externen Kosten \u2013 also die Kosten des <em>unterlassenen<\/em> Umwelt- und Klimaschutzes &#8211; stellen alles in den Schatten, was auch die ambitioniertesten Klimaschutzprogramme an Ausgaben erfordern. Da sich diese gewaltigen externen Kosten aber bislang fast nicht in den Preisen widergespiegelt haben, hat sich eine Illusion von Wohlstand aufgebaut. Jetzt geht es bildlich gesprochen an die R\u00fcckzahlung des \u00f6kologischen Kredites und das Geschrei ist gro\u00df. Nat\u00fcrlich ist es v\u00f6llig richtig, dass man zur Einhaltung der Klimaschutzziele \u00f6konomisch \u201ceffizient\u201d vorgehen sollte, aber das f\u00e4llt der Menschheit nun reichlich sp\u00e4t ein. F\u00fcr eine intertemporal effiziente Strategie h\u00e4tte man sp\u00e4testens vor 50 Jahren anfangen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entkopplung\nwirtschaftlicher Aktivit\u00e4t vom Umweltverbrauch, massiver\ntechnologischer und struktureller Wandel, Ver\u00e4nderung von\nKonsummustern usw., m\u00f6glicherweise auch der eine oder andere\nVerzicht, falls das mit dem technischen Fortschritt und der\nEntkopplung nicht so schnell klappt wie es n\u00f6tig w\u00e4re, all das kann\nman ja auch als \u201csportliche Herausforderung\u201d sehen denn als\n\u00f6konomische Bedrohung, um den \u00f6kologischen \u00dcberziehungskredit\n(\u00f6kolog. Fu\u00dfabdruck gr\u00f6\u00dfer als biologische Kapazit\u00e4t)\nabzubezahlen \u2013 kurz bevor der Insolvenzverwalter klopft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Sentenz findet sich h\u00e4ufig in der politischen Debatte. Sie soll Ausgewogenheit, Realismus und Kompromissbereitschaft signalisieren. Man nimmt \u00f6kologische Ziele durchaus sehr ernst, sieht aber auch \u00f6konomische Realit\u00e4ten und versucht eine vern\u00fcnftige Abw\u00e4gung, da man ja auch an Dinge wie Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Jobs, soziale Ausgewogenheit und dergleichen denken m\u00fcsse. 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