{"id":231,"date":"2015-12-22T16:30:13","date_gmt":"2015-12-22T15:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/markus.pasche.name\/?p=231"},"modified":"2018-07-19T15:10:17","modified_gmt":"2018-07-19T13:10:17","slug":"amfa-und-die-monetaere-staatsfinanzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jenecon.uber.space\/wordpress\/?p=231","title":{"rendered":"Anfa und die monet\u00e4re Staatsfinanzierung"},"content":{"rendered":"<p>Das \u201e<em>Agreement on net-financial assets<\/em>\u201c, nach welchem nationale Zentralbanken auf eigene Rechnung Staatspapiere kaufen k\u00f6nnen, was offenbar weder bilanztechnisch noch innerhalb des ESZB transparent kommuniziert zu werden scheint, wird zu Recht als Gef\u00e4hrdung der Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB kritisiert. Besonders Draghis Aussage, bez\u00fcglich der Details m\u00fcsse man sich an die nationalen Zentralbanken wenden, l\u00e4sst sich interpretieren als \u201eSo genau wissen wir das bei der EZB auch nicht, was da geschieht\u201c, ist sehr zweifelhaft. In Zeiten, wo gew\u00f6hnliche wie ungew\u00f6hnliche geldpolitische Ma\u00dfnahmen praktisch unwirksam sind, und der Einfluss der Zentralbank fast ausschlie\u00dflich auf ihre F\u00e4higkeit zu glaubw\u00fcrdiger Kommunikation und Erwartungsbeeinflussung beschr\u00e4nkt ist, sind solche Intransparenzen kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Was aber besonders st\u00f6rend ist: Reflexartig kommen die Standardargumente besorgter \u00d6konomen auf den Tisch, hier werde \u201eGeld gedruckt\u201c und damit \u201everdeckte unerlaubte Staatsfinanzierung betrieben\u201c (z.B. in der FAZ vom 22.12.2015). Dazu kurz und knapp Folgendes:<\/p>\n<p>Kauft eine Zentralbank von einer Gesch\u00e4ftsbank ein Staatspapier, so bezahlt sie mit \u201eReserven\u201c. Es entsteht dabei gar kein Zahlungsmittel, welches der Staat oder ein anderer Akteur im Wirtschaftskreislauf irgendwie verwenden k\u00f6nnte. Geld entsteht dann (aber eben nicht durch \u201eDrucken\u201c seitens der EZB!), wenn die Bank diese Staatspapiere von einer Nicht-Bank kauft und den Betrag als Sichtguthaben gutschreibt \u2013 \u00e4hnlich wie bei der Kreditgeldsch\u00f6pfung. F\u00fcr den Staat gibt es dann und nur dann eine Finanzierungswirkung, wenn die Bank das Papier auf dem Prim\u00e4rmarkt kauft, also direkt dem Staat den Kaufpreis als Sichtguthaben verbucht.<\/p>\n<p>Nun, genau das ist <em>empirisch zun\u00e4chst nachzupr\u00fcfen<\/em>, bevor man von \u201emonet\u00e4rer Staatsfinanzierung\u201c schwadroniert: Hat es im Rahmen von Anfa signifikante K\u00e4ufe von Staatspapieren durch Banken auf dem Prim\u00e4rmarkt gegeben, die dann anschlie\u00dfend an die nationale Zentralbank (oder auch an die EZB) weiterverkauft wurden? Wurden z.B. Papiere gekauft, die noch <em>vor<\/em> Anfa und dem ganzen QE-Programm der EZB begeben wurden, so ist der Vorwurf nicht stichhaltig. Und wenn aktuell emittierte Papiere auf dem <em>Sekund\u00e4r<\/em>markt gekauft wurden, dann m\u00fcsste man (fast verschw\u00f6rungstheorieartig) davon ausgehen, dass Zentralbank, Bank, Staat sowie ein weiterer Strohmann auf dem Sekund\u00e4rmarkt kollusiv handeln. Hier w\u00fcrde allerdings eine transparente Politik der EZB und der nationalen Zentralbanken helfen, diese rein empirische Frage zu beantworten. Bis dahin sollte man nicht die verbale Demontage der Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB durch Mutma\u00dfungen vorantreiben, die man empirisch nicht belegen kann. Stattdessen sei empfohlen, sich mal ganz entspannt die Zeitreihen von M0, M3 und Staatsverschuldungsquoten seit Auflage des QE-Programms der EZB (wozu auch Anfa zuzurechnen ist) zu betrachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eAgreement on net-financial assets\u201c, nach welchem nationale Zentralbanken auf eigene Rechnung Staatspapiere kaufen k\u00f6nnen, was offenbar weder bilanztechnisch noch innerhalb des ESZB transparent kommuniziert zu werden scheint, wird zu Recht als Gef\u00e4hrdung der Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB kritisiert. 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